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„Die Wolke
wird mir Schwester sein und der Wind Bruder“ Kinder im
Holocaust Zeremonie
Material für eine 20-minütige Gedenkveranstaltung an
der Schule
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Hinweise für den Lehrer:
Der vorliegende Text dient als Grundlage für eine
20-minütige Gedenkzeremonie zum Thema Holocaust im Schulrahmen. Er
eignet sich für die Jahrgangsstufen 7 bis 10 in sämtlichen
Schularten. Bewusst wurde diese Gedenkveranstaltung thematisch nicht
näher spezifiert, um sie für veschiedene Anlässe flexibel einsetzbar
zu halten. Die Zeremonie kann bequem im Rahmen einer gewöhnlichen
Unterrichtsstunde von 45 Minuten abgehalten werden.
Nötige Ausstattung:
Um die beiden Fotos zeigen zu können, gibt es
verschiedene Möglichkeiten: - Die Fotos werde auf Folie kopiert und mit einem
Overheadprojektor gezeigt - Die Fotos werden auf Papier kopiert, vergrößert und an die
Wand gehängt bzw. von Kindern hochgehalten.
Notwendige Vorbereitung im Unterricht:
Es ist nicht nötig, den Schülern vor Abhaltung der
Zeremonie spezifische historische Kenntnisse zu vermitteln.
Grundlegendes Basiswissen über den Holocaust wird jedoch
vorausgesetzt.
Vielmehr sollten die beteiligten Schüler emotional auf
das Thema eingestimmt und mit dem Text der Zeremonie vertraut gemacht
werden. Über das Kennenlernen der einzelnen zitierten Kinder kann das
notwendige Basiswissen abgesichert bzw. ergänzt werden.
Für den Teil „Unsere Welt in tausend Jahren“
(S. 7) ist allerdings eine inhaltliche Vorbereitung im Rahmen des
Unterrichts erforderlich. Die Schüler/innen sollen dazu aufgefordert
werden, einen Wunsch niederzuschreiben (auch als Hausaufgabe
denkbar), der während der Zeremonie von jedem Einzelnen vorgelesen
wird. Beispiele wurden in den Text eingefügt. Es empfiehlt sich,
diese Wünsche in der Klasse zu diskutieren und eventuell eine Auswahl
zu treffen. Die zehn Kinder, die bereits dazu bestimmt wurden, einen
Teil der Zitate vorzutragen, sollten in diesem Teil nicht
eingesetzt werden, um möglichst vielen Kindern die aktive Beteiligung
an der Gedenkveranstaltung zu ermöglichen.
Ablauf der Gedenkveranstaltung:
Der Text wird auf Schüler/innen verteilt, deren
Geschlecht und Alter möglichst mit dem der jeweils zitierten Kinder
übereinstimmt. Wird die Veranstaltung im Klassenrahmen mit
gleichaltrigen Kindern durchgeführt, so sollten die Zitate zumindest
dem Geschlecht entsprechend verteilt werden. Jedes Kind sollte den
gesamten Text der Zeremonie ausgehändigt bekommen.
Der Lehrer selbst oder ein geeigneter Schüler übernimmt
den Vortrag des Rahmentextes.
Die vorzutragenden Zitate sind nummeriert. Als Leser
werden zehn Schüler benötigt.
Zitierte Kinder:
- Eva Heyman, 13 Jahre alt
- Yitzkhok Rudashevski, 15 Jahre alt
- Hannah Gofrith, 6 Jahre alt
- Mosche, 17 Jahre alt
- Kitty, 12 Jahre alt
- Mascha, 14 Jahre alt
- Livia, 12 Jahre alt
- Anna Lindtova, 12 Jahre alt
- Abraham Koplowicz, 14 Jahre alt
Je nach Größe der Gruppe sollte sich der Lehrer vor
Beginn der Gedenkveranstaltung Gedanken über die Aufstellung der
vortragenden sowie der zuhörenden Schüler machen. Denkbar wäre ein
Halbkreis, in dem die Vortragenden gegenüber ihren Zuhörern stehen.
Die Bilder sollten dann im Rücken der Vortragenden gut sichtbar für
die Zuhörer angebracht werden. Der Raum sollte im Rahmen der Möglichkeiten so
vorbereitet werden, dass er für den Charakter der Veranstaltung einen
geeigneten Hintergrund bildet.
Selbstverständlich sind sowohl die Texte als auch das
Bildmaterial lediglich als Vorschläge zu verstehen, aus denen
beliebig ausgewählt bzw. zu dem eigenes Material jederzeit
hinzugefügt werden kann. |

Das ist Eva Heyman. Sie wurde am 13. Februar 1931 in
Ungarn geboren und wuchs bei ihrer Mutter Agi auf. Eva war ein
sensibles, humorvolles Mädchen. Sie war lebenslustig und liebte es,
Pläne für ihre Zukunft zu schmieden.
Zu ihrem 13. Geburtstag bekam Eva ein Tagebuch, dem sie
sich in den folgenden dreieinhalb Monaten anvertraute.
In einem ihrer ersten Einträge im Februar 1944 erinnert
sich Eva an einen Ausflug, den sie gemeinsam mit ihrer Mutter Agi
unternommen hat:
[Sprecher 1]
„Ich werde nie
vergessen, wie ängstlich Agi bei allem war im Englischen Park, vor
allem bei der Achterbahn... Aber im Zoo hatte sie genauso viel Spaß
wie ich. Wir sind auch in das Kindertheater gegangen. Dann machten
wir eine Nachmittagspause, Schokolade mit Schlagsahne und Erdbeeren
mit Sahne...“
Evas Kindheit endete ganz abrupt, als die Deutschen im
Jahr 1944 in Ungarn einfielen und ihre Heimatstadt Nagyvarad
besetzten. Eva war damals 13 Jahre alt.
[Sprecher 1] „Liebes Tagebuch,
du bist das Glücklichste auf der Welt, weil du nicht
fühlen kannst, du kannst nicht wissen, welche schreckliche Sache uns
passiert ist. Die Deutschen sind gekommen!...“
Freilich konnte die Dreizehnjährige nicht wissen, was
genau es für sie bedeuten würde, als jüdisches Mädchen unter der
Besetzung durch NS-Deutschland leben zu müssen. Ihrem Tagebuch
vertraut sie ihre bösen Vorahnungen an, ihren Humor gibt sie dabei
nicht auf:
[Sprecher 1] „Aber hier wird
nicht eher wieder Ruhe einkehren, bis Hitler tot ist, und in der
Wochenschau und in den Filmen habe ich gesehen, dass er sehr gut
aussieht. Dieser Mann wird nicht so schnell sterben.“
Von November 1938 an war es jüdischen Kindern verboten,
auf deutsche Schulen zu gehen. Im Juni 1942 wurden alle jüdischen
Schulen in Deutschland geschlossen. In den Ländern, die nach 1939 von
der deutschen Armee eingenommen und besetzt worden waren, galten sehr
rasch dieselben Gesetze.
Yitzkhok Rudashevski lebte in der polnischen Stadt Wilna,
die später unter sowjetische Besetzung geriet. 1939 fiel die deutsche
Armee in Polen ein und begann mit der erbarmungslosen Verfolgung der
dort lebenden Juden. Yitzkhok hatte gerade sein erstes Jahr in einem
angesehenen Gymnasium abgeschlossen, wo er in allen Fächern brillante
Leistungen erzielt hatte. Seine Lieblingsfächer waren Literatur und
Geschichte. Auf diesem Bild sehen wir Yitzkhok, 15 Jahre alt, auf dem
Weg zur Schule.
[Sprecher 2] „Ich weiß, dass ich
niemanden dort treffen werde. Trotzdem, ich gehe auf alle Fälle zur
Schule. Alles ist viel zu plötzlich passiert. Es ist kaum zu
begreifen, dass tatsächlich alles zu einem kompletten Stillstand
gekommen ist. Ich gehe auf die Schule zu. Die Schule ist mit Siegeln
verschlossen.“
Hannah Gofrith lebt heute in Tel Aviv, einer Stadt an der
Küste Israels. Geboren wurde sie in Polen. Als sie sechs Jahre alt
war, hatten die Deutschen bereits ihre Heimatstadt besetzt. Sie
erinnert sich an ihren ersten Schultag:
[Sprecher 3] „Guten Morgem“, grüßte ich den Schuldiener.
„Wohin willst du?“, fragte er.
„Zur Schule, in die erste Klasse“, antwortete ich
stolz im Vorbeigehen. Der Mann stellte sich mir in den Weg.
„Das geht nicht!“, sagte er. „Aber ich bin schon sechs Jahre alt, wirklich...“
„Du bist eine Jüdin“, entgegnete er, „Juden haben kein
Recht, zu lernen. In dieser Schule ist kein Platz für Juden.“
Ich sah mich um. ...Die anderen Kinder standen da und
hörten zu. Die Schulglocke läutete. Alle liefen zu ihren Klassen. Ich
drehte mich um und schlich langsam den Schulzaun entlang. Ich stand
allein auf der Straße, und meine Hände umklammerten den Zaun. (...)
Ich weinte nicht! Ich verstand. Ich bin eine Jüdin und
in dieser Schule ist kein Platz für mich. Ich stand dort, bis auch
der letzte Schüler den Hof verlassen hatte. Das Schuljahr fing an.
Aber nicht für mich. Ich kehrte nach Hause zurück. Meine Mutter
begrüßte mich lächelnd und fragte: „Haneczka, wo warst du?“
„Ach, nur draußen. Ich war spazieren“, antwortete ich.
„Komm“, sagte Mama, „Dein erstes Schuljahr beginnt
heute. Deine Bücher warten schon auf dich.“
Sie betrat mit mir das Zimmer. Papa stand dort. Auf
dem Tisch lag ein Stapel von Büchern und Heften. Er lächelte mich an,
drückte meine Hand und sagte: „Ich gratuliere dir zum ersten
Schultag, Haneczka. Heute beginnt der Unterricht in „Unserer Schule“.
Viel Glück beim Lernen!“
Papa und Mama waren meine Lehrer in „Unserer Schule“.
Sie waren es, die mir Lesen und Schreiben beibrachten.
In Deutschland und in allen Ländern, die die deutsche
Armee besetzte, wurden Gesetze eingeführt, die die Juden nach und
nach ausgrenzten. Neben dem Schulgesetz wurden zum Beispiel auch
viele Anordnungen erlassen, auf deren Grundlage die Juden Schritt für
Schritt ihres persönlichen Eigentums beraubt wurden. Natürlich
nannten die Nazis das nicht Raub, sondern „Beschlagnahmung jüdischen
Eigentums zugunsten des Deutschen Reiches“. Eva beschreibt in ihrem
Tagebuch:
[Sprecher 1] „Jeden Tag bringen
sie neue Gesetze gegen Juden heraus. Heute zum Beispiel haben sie uns
alle Geräte weggenommen: die Nähmaschine, das Radio, das Telefon, den
Staubsauger, die elektrische Fritteuse, meine Kamera, und mein
Fahrrad... Agi sagte, wir sollten froh sein, dass sie Sachen nehmen
und nicht Menschen.“
Ihr Fahrrad hatte Eva erst seit kurzem. Die Familie hatte
lange gespart, und Evas altes Fahrrad und der Wintermantel ihres Opas
mussten verkauft werden, um schließlich die nötige Summe zusammen zu
bringen. Eva holte ihr nagelneues Rad nicht eher ab, als bis der
vollständige Preis in bar bezahlt worden war. Danach brachte sie das
Fahrrad nach Hause, aber sie fuhr es nicht, sondern schob es, oder,
in ihrer eigenen Beschreibung, sie führte es, „wie man einen großen,
schönen Hund führt“. Das Fahrrad bekam auch einen Namen: „Freitag“.
Eva hatte das Buch „Robinson Crusoe“ gelesen und wollte mit dem Namen
ausdrücken, dass ihr Fahrrad „Freitag“ seiner Besitzerin, Eva
„Robinson“ immer treu dienen würde. Außerdem war es ein Freitag, an
dem Eva das Fahrrad nach Hause brachte.
Jetzt verstehen wir auch, warum Eva nicht ruhig bleiben
konnte, als die Deutschen kamen, um ihr Fahrrad zu beschlagnahmen.
Ihrem Tagebuch vertraut sie an, wofür sie sich später ein wenig
schämt und von ihrer Mutter zurechtgewiesen wird:
[Sprecher 1] „Also, liebes
Tagebuch, ich habe mich auf den Boden geworfen, das Hinterrad meines
Fahrrads umklammert und schrie alles Mögliche zu den Polizisten.
‚Schämt euch, einem Mädchen das Fahrrad wegzunehmen! Das ist Raub!’“
Es kam immer schlimmer. Im Jahr 1939, kurz nachdem die
deutsche Armee in Polen einmarschiert war, befahlen die Deutschen den
Juden, sich mit einem gelben Stern zu kennzeichnen. Dieses Gesetz
wurde nach und nach in allen von den Nazis besetzten Ländern
erlassen. Das Gesetz galt zunächst für Erwachsene und Kinder ab
zehn Jahren. Was haben Kinder und Jugendliche empfunden, als sie zum
ersten Mal mit den auf ihre Kleidung aufgenähten Sternen auf die
Straße gingen?
Eva Heyman beschreibt die allgemeine Stimmung:
[Sprecher 1] „Liebes Tagebuch,
Heute wurde ein
Befehl erlassen, dass die Juden von jetzt an einen gelben Flicken in
Form eines Davidssterns tragen müssen. In dem Befehl wird genau
vorgeschrieben, wie groß. Der Sternflicken muss auf jedes äußere
Kleidungsstück genäht werden, auf jede Jacke, jeden Mantel... Ich
habe schon ein paar gelb besternte Leute getroffen. Sie waren so
bedrückt, sie gingen mit gesenktem Kopf.“
Mosche aus Ungarn war damals 17 Jahre alt. Er erinnert
sich:
[Sprecher 4]
„Allen Juden in Ungarn wurde befohlen, einen gelben
Davidsstern auf ihre äußeren Kleider zu nähen, um sie von den anderen
zu unterscheiden und abzusondern. Diese Demütigung hat mich furchtbar
aufgewühlt... Ich war der einzige Jude in meiner Klasse. Und man kann
sich leicht vorstellen, dass ich an dem Tag, als ich zum ersten Mal
den gelben Stern trug, nicht gerade leichten Herzens zur Schule
ging.“
Kitty aus Polen war damals 12 Jahre alt:
[Sprecher 5]
„...Kein Jude durfte
das Haus verlassen, ohne eine Armbinde mit dem Davidsstern zu tragen.
Sogar mit diesem Armband war man aber keineswegs sicher. Jeder
Deutsche konnte dich jetzt als Jude erkennen und dich zum
Schneeschaufeln oder zum Polieren von Nazistiefeln abschleppen.“
Von Yitskhok aus Litauen, damals 15 Jahre alt, erfahren
wir:
[Sprecher 2]
„Es wurde eine
Anordnung für die jüdische Bevölkerung von Wilna erlassen, sich vorne
und hinten zu kennzeichnen – ein gelber Kreis mit dem Buchstaben J in
der Mitte... Ich habe mich geschämt, damit auf die Straße zu gehen,
nicht, weil man dann sieht, dass ich ein Jude bin, sondern weil ich
mich dafür geschämt habe, was man uns antut. Ich habe mich für unsere
Hilflosigkeit geschämt. Wir werden von Kopf bis Fuß mit Kennzeichen
behängt und haben keine Möglichkeit, uns gegenseitig zu helfen. Es
hat mich verletzt, dass ich absolut keinen Ausweg sehen konnte.“
Die 14jährige Mascha aus Litauen fragt sich:
[Sprecher 6] „Kann es sein, dass
die Besetzer uns nicht mehr als Menschen betrachten und wie Vieh
kennzeichnen? Eine solche Gemeinheit kann man nicht hinnehmen. Aber
wer wagt es, sich ihnen zu widersetzen?“
Schließlich hören wir Livia, 12 Jahre alt, aus Ungarn:
[Sprecher 7] „Ich habe mich
geweigert, das Haus zu verlassen. Ich werde den gelben Stern nicht
tragen! Ich werde mich nicht in der Öffentlichkeit zeigen mit einem
Judenstern. Mich wird man nicht sehen können mit diesem
schrecklichen, schrecklichen Ding. Ich sterbe, wenn einer meiner
Klassenkameraden mich sieht... Ich ... war verletzt und aufgewühlt,
als man mich zu einem schreienden Kennzeichen ... degradiert hatte,
zu einem Ding, das mich absondern und erniedrigen sollte. Jude oder
Krimineller, gibt es da noch einen Unterschied in ihren Augen? ...Ich
war nicht länger Mensch, ich war willkürlich ausgesondert, eine
Sache.“
Heute wissen wir: Die entsetzten Empfindungen und
Reaktionen dieser Kinder entsprangen einer Vorahnung der dunklen
Tage, die noch kommen sollten. Intuitiv wussten diese Kinder wohl,
dass die Deutschen bei der Ausgrenzung und Demütigung der Juden nicht
stehenbleiben würden.
Kinder wurden deportiert – verschleppt – wie die
Erwachsenen, oft getrennt von ihren Eltern. In Ghettos und Lagern
mussten sie wie die Erwachsenen Zwangsarbeit verrichten, sie kämpften
wie sie unter dem permanenten Terror von Hunger, Brutalität,
panischer Angst und seelischem Schmerz um ihr Weiterleben.
„...Auch wenn ich die einzige Person sein sollte, die
hier bleiben darf“, so bekundet Eva Heyman ihren unerschütterlichen
Lebenswillen – „ich würde auf das Kriegsende in irgendeinem Keller,
oder auf dem Dach, oder in einem heimlichen Versteck warten...,
solange sie mich nur nicht töten, wenn sie mich nur leben ließen.“
Jeder Ort der Erde wäre der Dreizehnjährigen recht
gewesen, um dort zu überleben. Aber Eva ist eines der eineinhalb
Millionen Kinder, die im Holocaust ermordet wurden.
Mit ihrem Tagebuch hinterlässt sie uns, wie viele andere
Kinder und Jugendliche, die während des Holocaust schrieben,
dichteten, oder zeichneten, ihr ganz persönliches Vermächtnis, einen
persönlichen Auftrag an jeden Einzelnen von uns: Niemals zu vergessen, was den Kindern des Holocaust von
den Männern und Frauen, Vätern und Müttern des „Dritten Reichs“
angetan wurde.
Es ist unmöglich, der eineinhalb Millionen Kinder zu
gedenken, die ermordet wurden. Diese Zahl ist monströs, buchstäblich
unfassbar. Wir können an jene Kinder denken, die wir heute durch
ihre eigenen Worte ein wenig kennen gelernt haben – und wir können
versuchen, eine bessere Welt zu errichten.
[Sprecher 8] In tausend Jahren
In tausend Jahren Wie wird die Welt sein? Wie wird die Welt sein
In tausend Jahren? Ratet!!!
Dieses kleine Gedicht hat Anna Lindtova in Theresienstadt
geschrieben. Sie war 12 Jahre alt, als sie dort ankam. Wir haben uns Annas Frage zu Herzen genommen und tragen
einige unserer Wünsche vor, wie die Welt in tausend Jahren aussehen
sollte:
[Beispiele: Unsere Welt in tausend Jahren
- „Ich wünsche mir, dass in tausend Jahren sich kein Kind mehr
dafür schämen muss, dass es anders ist.“
- „Ich wünsche mir, dass in tausend Jahren Kinder, die lernen
wollen, nicht vor verschlossenen Türen stehen.“
- „Ich wünsche mir, dass in tausend Jahren Kinder keine Angst
mehr haben müssen.“
- „Ich wünsche mir, dass in tausend Jahren Kinder wie Eva ihre
Pläne verwirklichen können.“
- „Ich wünsche mir, dass in tausend Jahren...“]
Zum Abschluss unserer kleinen Gedenkveranstaltung hören
wir den Wunsch von Abraham Koplowicz. Er wurde im Jahr 1930 geboren.
Seinen Traum, im Flug die ganze Welt zu bereisen, konnte er nicht
wahrmachen. Abraham wurde mit 14 Jahren in Auschwitz ermordet.
[Sprecher 9] Ein Traum
Wenn ich groß bin, werde ich diese schöne Welt sehen
In einem riesigen Vogel ganz aus Eisen sitzend
Werde ich die Höhen des Universums durchqueren
Über dem Wasser: Fluss, Meer und Ozean.
Die Wolke wird mir Schwester sein und der Wind Bruder
Ich werde die Sphinxen sehen und die Pyramiden
Auf der so alten Erde der Göttin Isis
Ich werde die Unermesslichkeit des Niagara durchqueren
Und mich in der Sonne der Sahara baden.
Quer über die Berge des Tibet, die sich in den Wolken
verlieren
Über das schöne Geheimnis der Lama-Zauberer...
Dann werde ich die anstrengende Hitze verlassen
Für die Gletscher des Nordens
Ich werde über den Inseln der Känguruhs vorbeikommen,
Über den Ruinen von Pompeji.
Über der Heiligen Erde des Alten Testaments
Über dem Land des berühmten Homer
Immer gleichermaßen verzaubert von der Schönheit der
Welt Die Wolke wird mir
Schwester sein und der Wind Bruder.
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