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Was hat Oskar Schindler
von dem Hügel aus beobachtet?
Gerechte unter den Völkern –
Die Figur Oskar Schindlers im Unterricht
Stundenentwurf
Zeitrahmen:
Eine Unterrichtsstunde
Ziele
- Die Schüler lernen über
„Gerechte unter den Völkern” und die einzigartigen Anstrengungen, die sie
unternahmen, um Juden während des Holocaus
ts zu helfen.
Oskar Schindlers Beweggründe,
Juden zu retten, werden analysiert.
Der Entwicklungsprozess Oskar
Schindlers – vom Mitläufer und Geschäftsmann zum Retter von mehr als 1.200 Juden
wird nachvollziehbar gemacht.
Ablauf
Eröffnen Sie die Stunde, indem Sie die Schüler fragen, was der Begriff
„Gerechte unter den Völkern” ihrer Meinung nach bedeuten könnte oder
ob sie schon einmal von diesen Leuten gehört haben.
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Lesen
Sie der Klasse folgende Definition vor
„Gerechte
unter den Völkern”
sind Nichtjuden, die ihr Leben während des Holocausts
riskierten, um Juden in den Ländern, die unter
NS-Herrschaft standen oder mit Deutschland kollaborierten, zu
retten. |
Erzählen Sie den Schülern, dass diese Unterrichtsstunde einem dieser
Menschen, Oskar Schindler, gewidmet ist. Teilen Sie die Klasse
in 5-6 Gruppen ein, die jeweils drei Dokumente über Oskar Schindler
und seine Aktivitäten in den Jahren des Holocausts
erhalten. Jede
dieser Gruppen soll nun die Rolle eines Komitees von Richtern
annehmen, die anhand der historischen Materialien (siehe Anhang)
entscheiden, ob Schindler berechtigt
wäre, den Titel „Gerechter
unter den Völkern” verliehen zu bekommen. Bedingung ist, dass die
Mitglieder einer Gruppe zu einem einhelligen Ergebnis kommen müssen.
Anmerkung für den Lehrer
Zwei
der Dokumente sind Zeugenberichte von Juden, die Schindlers
Einstellung zu Juden bei seiner Ankunft in Krakau beschreiben und
das dritte Dokument ist ein Brief, den jene, die dank Schindler
überlebten, am Tag der Befreiung geschrieben haben. Dieser Brief
sollte Schindler als Schutzbrief dienen, für den Fall, dass die
Alliierten ihn finden und als Nazi anklagen würden (siehe Anhang 1).
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Im
Anschluss an die Gruppenarbeit soll ein Klassengespräch stattfinden,
das auf den jeweiligen Erkenntnissen der Gruppendiskussionen und deren
Beschlüssen basiert.
An die Tafel oder auf eine
Overheadfolie werden zwei Spalten gezeichnet, eine
mit „PRO“ und die andere
mit
„CONTRA“
überschrieben. Schreiben Sie die Überlegungen der
Schüler für und wider die Ernennung Schindlers zum „Gerechten“
auf,
die im Verlauf der Diskussion aufgekommen sind. Sagen Sie den
Schülern, dass es in Yad Vashem, Israels zentraler Gedenkstätte für
Holocaust und Heldentum in Jerusalem, ein Komitee aus Historikern und
Juristen gibt, das zusammenkommt, debattiert und schließlich anhand
von historischen Dokumenten und Zeugenberichten, ähnlich denen, die
die Schüler gelesen haben, entscheiden, wer zu den „Gerechten“ gehört.
Sie vertiefen sich in jeden Einzelfall, bearbeiten ihn und treffen
dann eine Entscheidung. Es existieren verschiedene Kriterien, die sich
bei allen „Gerechten” als Grundmuster wiederfinden. Arbeiten Sie
zusammen mit den Schülern Kriterien heraus, die ihnen während der
Gruppenarbeit aufgefallen sind.
Die folgenden Punkte sind
die vier Hauptmerkmale – falls
Ihre Schüler
sie nicht selber
herausgefunden haben, teilen Sie diese nun
Ihrer Klasse mit:
- Ein
Rettungsversuch, der die aktive Mitwirkung eines Retters einschließt,
unabhängig davon, ob der Versuch erfolgreich war oder nicht.
- Für
den Retter bestand Todesgefahr
während
seiner Handlung.
Während der Zeit des Nazi-Regimes gab es klare Warnungen, dass, wer
auch immer den Juden half, nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch
das Leben seiner Angehörigen in Gefahr brachte.
-
Humanitäre Motive als Beweggrund - der Retter darf keinen materiellen
Ausgleich für seine Handlung gefordert oder erhalten haben.
- Der
Retter ist nicht jüdisch.
Anmerkung für den Lehrer
Falls es die Zeit erlaubt, kann hier eine Diskussion über die vier
Hauptkriterien geführt werden. Bedenken Sie, dass die Kriterien
nicht klar umrissen sind und Interpretationsspielraum lassen. Ein
Beispiel: Diplomaten, wie Raoul Wallenberg, haben viele Juden vor
dem Tod gerettet. Wegen seiner diplomatischen Immunität
hat er nicht per se sein Leben riskiert. Trotzdem ist er ein „Gerechter
unter den Völkern“.
Einige der Retter haben den geretteten Juden/die gerettete Jüdin
später geheiratet. Ist dies ein Problem im Hinblick auf das
Kriterium des humanitären
Beweggrundes? Warum ist es vorgeschrieben, dass der Retter nicht
jüdisch sein darf? Für weitere Informationen, klicken Sie
hier. |
Sie
haben mit Ihren Schülern die verschiedenen Dokumente, die ihnen zum
Fall Oskar Schindler vorlagen, diskutiert und analysiert. Wie ist es
möglich, dass diese unterschiedlichen Zeugenberichte alle dieselbe
Person beschreiben? Um
sich dieser schwierigen Frage anzunähern, sehen Sie sich nun die
Ausschnitte aus „Schindlers Liste“ an. Bitte beachten Sie, dass es
sich hier nicht um ein historisches Dokument handelt, sondern um einen
künstlerischen Film und Interpretationen des Regisseurs, auf
historischen Tatsachen basierend.
1.
Sequenz
In der
zu sichtenden Szene reiten Schindler und seine Geliebte in der
Umgebung von Krakau aus. Von einem oberhalb der Stadt gelegenen Hügel
beobachtet Oskar Schindler die Liquidierung des Krakauer Ghettos. Bis
zu dieser Szene ist der Film ausschließlich in schwarz-weiß gehalten,
was ihm das Erscheinungsbild eines Filmes aus einer vergangenen
historischen
Epoche, in der Farbfilme nicht üblich waren, gibt.
Mitten in dieser Szene verändert sich jedoch das Bild und plötzlich
erblickt Schindler ein kleines Mädchen in einem roten Mantel. Mit
diesem technischen Kunstgriff soll gezeigt werden, wie sich Schindlers
Perspektive verändert. Er sieht hier einen Menschen vor sich.
Fragen
Sie die Schüler, wie sie diese Szene interpretieren.
Schreiben Sie an die Tafel das Wort: SEHEN
Arbeiten Sie mit der Klasse
folgendes heraus:
- Schindler
hat ein Individuum gesehen.
- Schindler
hat einen Menschen in einer anonymen Masse gesehen.
- Was ist das
Besondere daran, einen anderen Menschen in seiner Verzweiflung und Not zu
sehen? Ist es ausreichend, diesen Menschen zu sehen?
2.
Sequenz
In
diesem Ausschnitt aus dem Spielfilm begegnet Schindler dem
Kommandanten des KZ Plaszow, Amon Göth, und beginnt um das Leben der
jüdischen Arbeiter in seiner Emaillefabrik zu feilschen. Schindler
gibt Göth eine große Summe Geld, was diesem sehr gefällt, und
Schindler erreicht sein Ziel, Göth glauben zu machen, dass er die
Arbeiter nur behalten möchte, um einen größeren Profit aus seiner
Fabrik erzielen zu können. Nach dem Betrachten dieser Szene fragen Sie
Ihre Klasse erneut: Was habt ihr gesehen?
Schreiben Sie an die Tafel: ENTSCHEIDEN und HANDELN
Besprechen Sie mit
Ihrer Klasse folgende Fragen in Zusammenhang mit dem gerade gesehenen
Filmausschnitt:
- Nachdem Schindler die Liquidierung des Krakauer Ghettos gesehen hat, nimmt
er nicht nur Anteil, sondern wird zu einem aktiven, involvierten Retter.
- Schindlers Absichten und Interessen verändern sich auf dramatische Weise
.
Das Geld, das er durch die Ausbeutung der Juden in seiner Fabrik verdient
und angehäuft hat, wird von ihm nun verwendet, um jüdisches Leben zu retten.
Schindler versucht, Medrich, einen anderen Fabrikbesitzer, zu überzeugen, es
ihm gleichzutun. Mendrich entscheidet sich dagegen, weil er glaubt, es sei
ein zu hohes Risiko.
Schindler ist hier die
außergewöhnliche Persönlichkeit, die sich trotz der großen Gefahr zum Handeln
entschließt. Wir wissen aber nicht, weshalb ein Mensch sich dafür entscheidet,
das Risiko auf sich zu nehmen, und ein anderer dagegen.
Schindler wird als
normaler, durchschnittlicher Mensch porträtiert, nicht als Engel. Beispielsweise
sieht man in einer Szene seine Geliebte in seinem Bett liegen, als er morgens
aufsteht. "Gerechte unter den Völkern" waren also nicht makellos. Die Lehre, die
wir aus ihrem Handeln ziehen können, ist eine sehr menschliche. Sie muss
keineswegs gleichbedeutend sein mit Tugend oder Rechtschaffenheit.
eurer Meinung nach die Bedeutung der „Gerechten unter den Völkern” für
die Nachwelt?
Anmerkung für den Lehrer
Gerade in der Beschäftigung mit moralischen Dilemmata taucht oft
die Frage auf, was zukünftige Generationen aus den Ereignissen
während des Holocausts ableiten könnten. Welche Bedeutung wird dem
Holocaust in Zukunft beigemessen werden? Die Taten der „Gerechten“ sind
ohne Zweifel ein Modell für Zivilcourage und humanistische Werte.
Als Pädagogen und als Menschen müssen wir uns jedoch auch
eingestehen, dass die meisten Menschen passiv und
keine
Retter
sind,
die ihr eigenes Leben riskieren würden, um ein anderes zu schützen.
Unsere Aufgabe ist es daher nicht, die Schüler in diesem Kontext
zu ermahnen, ein moralisch fehlerfreies Leben im Dienste einer
selbstaufopfernden Menschlichkeit zu führen. Es ist vielmehr wesentlich, sie zu sensibilisieren,
damit sie ihre Gedanken und Handlungen bewusst gestalten und
erkennen, dass „Hilfe“ ein sehr breiter Begriff ist und die
Gesellschaft als schweigende Mehrheit Verantwortung trägt für ihrer Minderheiten.
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Geschichtlicher Hintergrund
Oskar
Schindler (1908 – 1974), Geschäftsmann, der während des Holocausts
Juden rette. Oskar Schindler wurde im Sudetenland in der ehemaligen
Tschechoslowakei geboren. Er wurde berühmt durch Steven Spielbergs
preisgekrönten Film „Schindlers Liste“.
Nachdem
Deutschland 1939 Polen besetzt hatte, ging Schindler Ende 1939 nach
Krakau, wo er zwei Email lewarenfabriken übernahm, deren ursprünglich
jüdische Inhaber dadurch enteignet wurden.
Die beiden Fabriken
produzierten und vertrieben
Emaillewaren, vor allem für den
Küchenbedarf. Schindler führte als Treuhänder eine dieser Firmen für
die deutschen Besatzungsbehörden. Nicht lange danach errichtete er
seine eigene
Emaillewarenfabriken in Zablocie, einem Randbezirk von
Krakau. Er beschäftigte vor allem jüdische Arbeiter und bewahrte sie
dadurch vor der Deportation. Anfang 1943, als die Deutschen das Ghetto
in Krakau liquidierten, wurden viele der Juden in das KZ Plaszow
verschleppt. Schindler nutzte nun seine engen Verbindungen mit den
deutschen Behörden in der Rüstungsindustrie und etablierte in seiner
Fabrik eine Zweigstelle des Lagers Plaszow.
Rund 900
Juden
beschäftigte
er, von denen einige nicht in der Lage waren, Fabrikarbeit zu
leisten, um sie so vor den unmenschlichen Bedingungen zu bewahren, die
im Lager Plaszow herrschten.
Historische Dokumente - Zeugenaussagen
1) Schutzbrief
für Oskar Schindler
„Brüder! Die Unterzeichneten Juden
aus Krakau, Häftlinge des Konzentrationslagers in Plaszow, arbeiteten
seit 1942 in dem von Dir. Schindler geleiteten Betrieb. Vom Beginn der
Leitung dieses Unternehmens war es ausschließlich sein Ziel, uns vor
Aussiedlungen zu schützen, welche unsere Liquidierung bedeuteten.
Während der ganzen Zeit unserer Arbeit in diesem Betrieb hat er alles
darangesetzt, um das Leben der größtmöglichen Anzahl der Juden zu
retten trotz ungeheurer Schwierigkeiten, und zwar in einer Zeit, als
die Erlangung von jüdischen Arbeitskräften auf große Schwierigkeiten
bei den Behörden stieß. Dir. Schindler sorgte für unseren
Lebensunterhalt und während der ganzen Zeit unserer Arbeit in seinem
Betrieb ist nicht ein einziger Fall eines unnatürlichen Todes
eingetreten. Er beschäftigte insgesamt über 1000 Juden in Krakau.
Infolge des Herannahens der sowjetischen Front und der damit
verbundenen Notwendigkeit, uns in ein anderes Konzentrationslager zu
überführen, verlegte Dir. Schindler seinen Betrieb nach Brünnlitz bei
Zwittau. Ungeheuer waren die
Schwierigkeiten, die mit der Verwirklichung dieses Vorhabens verbunden
waren. Dir. Schindler scheute keine Anstrengungen, um diesen Plan
auszuführen. Daß er die Genehmigung (für die) Schaffung dieses Lagers
erwirkte, in welchem sowohl Frauen (als auch) Männer waren und vor
allem Familien zusammenbleiben konnten, ist ein einzig dastehender
Fall im gesamten Reichsgebiet. Besonders hervorgehoben werden muß die
Tatsache, daß unsere Übersiedlung nach Brünnlitz aufgrund einer
namentlichen Liste erfolgte, welche in Krakau zusammengestellt wurde
und von der zentralen Verwaltung sämtlicher Konzentrationslager in
Oranienburg bestätigt war (einzig dastehender Fall). Nach einem
Aufenthalt der Männer von nur einigen Tagen im Konzentrationslager
Groß-Rosen und der Frauen von 3 Wochen im KL Auschwitz können wir mit
voller Entschiedenheit behaupten, daß wir durch unsere Ankunft in
Brünnlitz unser Leben ausschließlich den Bemühungen des Dir. Schindler
und seiner menschlichen Behandlung seiner Arbeiter verdanken. Dir.
Schindler sorgte für die Verbesserung unseres Lebensstandards, indem
er uns zusätzliche Ernährung und Bekleidung verschaffte, wobei er
keine Ausgaben scheute und einzig und allem das menschliche Ideal,
unser Leben vom unvermeidlichen Tode zu retten zum Ziel hatte. Lediglich den unermüdlichen
Bemühungen und Interventionen des Dir. Schindler bei den maßgebenden
Stellen ist es zu verdanken, daß wir in Brünnlitz verblieben, obwohl
die Gefahr bestand, daß wir infolge des Herannahens der Front durch
die Lagerleitung fortgeführt werden sollten, was unseren völligen
Untergang bedeutet hätte. Das erklären wir heute, am Tage der
Verkündung des Kriegsendes, wo wir auf unsere formelle Befreiung
warten und auf die Möglichkeit, zu unseren zerstörten Familien und
Häusern zurückzukehren. Wir sind hier eine Schar von 1100 Personen –
800 Männer und 300 Frauen. Sämtliche jüdischen
Arbeiter, die Häftlinge im Konzentrationslager Groß-Rosen bzw.
Auschwitz waren, sprechen Dir. Schindler hiermit aus tiefem Herzen
unseren heißen Dank aus, wobei wir feststellen, daß wir es
ausschließlich seinen Bemühungen zu verdanken haben, - wenn wir den
Augenblick der Beendigung des Krieges erleben durften. Bezüglich der
Behandlung der Juden durch Dir. Schindler verdient besonders
hervorgehoben zu werden folgende Tatsache, die sich während unseres
Aufenthaltes in Brünnlitz im Januar d. Js. ereignete: Durch Zufall
gelangte in unsere Nähe ein Transport von jüdischen Häftlingen, welche
aus dem KL Auschwitz, Außenstelle Goleschow, evakuiert wurden. Dieser
Transport bestand ausschließlich aus über 100 Kranken aus dem Spital,
welches infolge der Räumung des Lagers liquidiert wurde. Diese Leute
kamen bei uns nach mehrwöchentlicher Wanderung vollkommen verfroren
und fast lebensunfähig an. Kein Lager wollte diesen Transport annehmen
und lediglich Dir. Schindler hat sich dieser Leute persönlich
angenommen, indem er sie auf seinem Fabrikgelände unterbrachte, obwohl
keine Aussicht bestand, sie überhaupt jemals beschäftigen zu können.
Er spendete aus eigenen Fonds beträchtliche Summen, um sie so schnell
wie möglich wiederherzustellen. Zu diesem Zwecke organisierte er
sanitäre Hilfe und richtete eine spezielle Krankenstube für
Bettlägrige ein. Nur dank seiner persönlichen Betreuung ist es
gelungen, 80 dieser Leute vor dem unvermeidlichen Tode zu retten und
sie wieder lebensfähig zu machen. Wir bitten innigst,
dem Dir. Schindler in jeder Beziehung Hilfe zu gewährleisten und ihm
insbesondere zu ermöglichen, eine Existenz zu gründen, da er infloge
seiner Tätigkeit für uns sowohl in Krakau als auch in Brünnlitz sein
gesamtes Vermögen opferte. Brünnlitz, den 8. Mai
1945 "
Isaak Stern
ehem. Ang.
d. Pal. Amtes
in Krakau, Dr. Hilfstein,
Chaim
Salpeter,
ehem. Präsid.
der zion. Exzek.
in Krakau
für Galizien und Schlesien
2) Julius Wieners
Zeugenaussage vor dem Komittee 10.10.1956
(Die Familie Wiener
besaß damals einen Emaillegroßhandel): „Am 15.10.1939
platzte Oskar Schindler wie ein Gangster in unser Geschäft. Zuerst
packte er den Buchhalter, und nachdem er die Türen veschlossen
hatte, erklärte er, dass von diesem Moment an die Geschäfte von ihm
geführt werden würden. Er griff meinen Vater brutal an und
überschüttete ihn mit einer Flut von Beleidigungen. Außerdem
bedrohte er meinen Vater mit einer Pistole, und als meine Frau
versuchte einzugreifen, schrie er sie an: ‚Halt die Schnauze, du
Judensau! Jetzt wirst du mich und Hitler kennenlernen!’ Er
verlangte, dass mein Vater Hitlers Portrait küsse.
Er zwang uns, ihm Dokumente zu unterschreiben, dass er der neue
Besitzer des Geschäftes sei. Er ließ meinen Vater nicht mehr ins
Geschäft, aber ich musste für meinen Lebensunterhalt weiter dort
arbeiten.“ (Herr Wiener sagt,
dass Schindler ihn zwei Monate nach diesem Vorfall des Betrugs
bezichtigte. Dies bezüglich der Abmaße der Emaillewaren. Schindler
hatte einen ähnlichen fingierten Betrugsfall auch in einer anderen
Fabrik arrangiert. Er warf Herrn Wiener hinaus und befahl ihm, nicht
wieder zu kommen. Am Tag darauf kam Herr Wiener dennoch zurück und
versuchte, mit Schindler zu reden.) „Gegen Mittag
kamen einige SS-Leute in die Fabrik. Sie trugen Uniform. Schindler
zeigte auf mich und und befahl einem von ihnen: „Verpasst ihm einen
neuen Haarschnitt!“ Die fünf SS-Leute brachten mich in das
Hinterzimmer, verschlossen die Tür und begannen mich zu verprügeln,
mich am ganzen Körper brutal zu schlagen. Nach einer Weile fiel ich
verwundet und blutend zu Boden und verlor das Bewusstsein. Als ich
wieder zu mir kam, sah ich meine Peiniger Wasser auf mich schütten.
Der Schläger, der die Befehle von Schindler erhalten hatte, packte
mich, setzte mich auf einen Stuhl und sagte zu mir: ‚Du lausiger Jude,
wenn du es noch einmal wagst, den Direktor (Schindler) zu belästigen,
wenn du es noch einmal wagst, hierher oder in die Fabrik zu kommen,
dann schicken wir dich an den Ort, von dem niemand mehr zurück kommt.’
Ich bin nie wieder dorthin gegangen. Ich verstand, dass es sein
(Schindlers) Ziel gewesen war, das Geschäft von mir zu erlernen. Als
er dieses Ziel erreicht hatte, warf er mich auf die Straße wie einen
Gegenstand, den er nicht mehr brauchte…“
(Originaldokument
auf polnisch.)
3)
Natan Werzels Zeugenaussage „Im Jahre 1939, vor dem Krieg,
kaufte ich auf einer Auktion einige Maschinen einer Emaillefabrik.
Schindler kam in meine Fabrik wie ein Räuber, ohne irgendeine Art von
offizieller Ankündigung, und erließ verlauten, dass, solange ich das
Geschäft gut führte, mir kein Schaden zugefügt würde. Hochrangige
deutsche Beamte kamen damals zu Schindler, um zu kaufen und zu
verkaufen. Ich arbeitete dort etwa ein Jahr, eineinhalb Jahre.
Schindlers Verhalten mir gegenüber und gegenüber den anderen Juden war
normalerweise gut. Eines Tages sagte er zu mir: ,In Russland stellen
sie dich an die Wand, wenn du zuviel weißt.’
Ich wußte allerhand über ihn.“
„Ende 1941
entließ er mich und zahlte mich aus.
Im Sommer 1942
schickte er nach mir. Er erklärte mir, dass die Polizei
Nachforschungen über ihn anstelle. Es war Deutschen verboten, Betriebe
von Juden zu erwerben. Deshalb verlangte er von mir, einige Dokumente
zu unterschreiben, die besagten, ich hätte meine Maschinen vor dem
Krieg an einen Polen verkauft.
Ich lehnte ab.
Er bot mir ein Schmiergeld, aber ich stimmte immer noch nicht
zu. Er ging in
einen anderen Raum. Nach einer halben Stunde erschienen einige
SS-Leute in schwarzer Uniform und begannen mich zu schlagen. Auch
Schindler schlug und beschimpfte mich. Ich lag einfach da und
dann verlor ich das Bewusstsein. Nachdem ich wieder zu mir kam, sagte
Schindler zu mir: ;Wirst du
jetzt unterschreiben, du Betrüger?’ Ich sagte ja. An
dem Abend musste ich mich ärztlich behandeln lassen. Als ich zurück in
mein Dorf kam, nahm mich völlig überraschend ein Beamter des
Finanzministeriums aus Krakau fest.
Er fand Schmuck in meinem
Haus und nahm ihn mit.
Dann sagte er:
,Das kannst du von Schindler zurückbekommen!’ Das hieß, dass Schindler
ihm von mir erzählt hatte."
(Originaldokument
auf hebräisch)
H istorische
Luftaufnahmen und Zusatzinformationen zu Schindlers Fabrik (auf
Englisch),
klicken Sie
hier.
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