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Den Holocaust erinnern und sich gegen Fremdenhass wehren
Internationaler Holocaust-Gedenktag am 27.Januar
Ein pädagogischer
Workshop für die Mittelstufe
Zeitdauer: 1 Unterrichtsstunde
1. Einleitung
In den letzten Jahren sind in verschiedenen
europäischen Ländern Holocaust-Gedenktage eingeführt worden. Dänemark,
Deutschland, Italien, Schweden, England sowie andere Länder haben
gesetzlich erlassen, dass am 27. Januar (der Tag an dem Auschwitz von
der Roten Arme befreit wurde) Zeremonien und besondere
Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Holocaust stattfinden sollen.
Den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung stellt die Entscheidung
der UNO aus dem Jahr 2005 dar, den 27. Januar zum Internationalen
Holocaust-Gedenktag zu erklären.
Trotz dieser positiven Entwicklungen existieren
Rassismus, Antisemitismus und Xenophobie unvermindert weiter. In einem
von der Europäischen Union veranlassten Forschungsbericht wird
eindeutig ein dramatischer Anstieg des Antisemitismus in vielen
europäischen Ländern verzeichnet.
2. Historischer Hintergrund zum
Thema des Workshops
Wenige Monate, nachdem Adolf Hitler 1933 Reichskanzler
Deutschlands wurde, haben jüdische Schüler in den staatlichen Schulen
schon die Ausgrenzung durch ihre Mitschüler und Lehrer gespürt. Fast
über Nacht sind jüdische Jugendliche in Nazi Deutschland von ihrer
Umgebung geächtet worden. Martin Buber, ein bekannter Philosoph des
20. Jh. schreibt: „Man hatte einen Freund, der Freund war
selbstverständlich wie das Sonnenlicht, nun plötzlich sieht er einen
fremd an, die Mundwinkel spotten: Hast du dir etwa gar eingebildet,
ich machte mir wirklich was aus dir? Man hatte einen Lehrer, unter
allen den einen; man wusste: es gibt diesen Menschen, also ist alles
in Ordnung; nun hat er keine Stimme mehr, wenn er zu einem spricht;
auf dem Hof ist der Raum zu ihm hin nicht mehr offen.” (Jüdische
Rundschau Nr. 43/44. 30.V 1933. Seite 227).
Ab dem 15. November 1938 wurden jüdische Schüler
offiziell von deutschen Schulen verwiesen. Gemäß einem Gesetz, das
nach den Novemberpogromen 1938 erlassen wurde, schloss man selbst in
Schulen, die spezielle Klassen für jüdische Mitschüler eingerichtet
hatten, jüdische Schüler aus dem deutschen Erziehungssystem aus. Bevor
der offizielle Bann wirksam wurde, verließen viele jüdische Schüler
wegen des antisemitischen Klimas und der Schikanen durch Mitschüler
und Lehrer die staatlichen Schulen.
3. Workshop und
Diskussionsanleitung
A. Schaue dir dieses
Poster genau an! In antisemitischen Hetzblättern sowie in Schulbüchern
werden Abbildungen von Kindern gezeigt, die lernen, sogenannte
„jüdische
Rassenmerkmale“
zu identifizieren.

"Die Judennase ist an ihrer Spitze gebogen. Sie sieht
aus wie ein Sechser..."
B. Lese die folgenden Zeitzeugenberichte von jüdischen
Schülern! Die 14-jährige Rosemarie Moskin und der 17 Jahre alte Moshe
(Sandberg) berichten von ihren Erlebnissen in der Schule.
Rosemarie Moskin
„Ich saß alleine in eine der hintersten Reihen des
Auditoriums und fragte mich, was der Direktor wohl von uns wollte.
Ohne wirklich seine Worte zu hören, wusste ich aber was er sagen
würde. ‚Irgendwann werdet ihr wiederkommen – wir werden euch mit
offenen Armen empfangen. Aber heute müssen wir uns von euch trennen.
Schweren Herzens gebe ich euch diese Nachricht weiter, aber ich habe
keine Wahl.’”
Moshe Sandberg/Sanbar
„…besonders ein Lehrer hatte es darauf abgesehen, mich
zu demütigen. Er war ein Geschichtslehrer und hieß Bencur. In einer
Unterrichtsstunde begann er eine Hitlerrede zu zitieren, in der es
hieß, dass die Juden von der Erde hinweggefegt werden sollen. Er
wandte sich an mich und fragte, was ich von dieser Rede halte,
insbesonders von diesem letzten Satz. Ich glaube, dass ich nichts
erwidert habe. Darauf hin schrie er mich an, ich würde die Frage nicht
respektieren und ihn und alle Lehrer respektlos behandeln. Dann befahl
er mir die Klasse zu verlassen.”
Zitiert aus: I. Tatelbaum, Through our eyes: Children witness the
Holocaust. (Jerusalem,
c1985) Benutzung mit Genehmigung des Autors.
Fragen zur Diskussion
-
Wie würdest du die antisemitische Karikatur im
Hintergrund des Posters beschreiben?
-
Vergleiche das Verhalten von Moshes Lehrer mit dem
von Rosemaries Direktor! Beschreibe den Kontrast!
-
Beide, Rosemarie und Moshe haben die Schule
verlassen müssen. Obwohl sie von ihren Lehrern unterschiedlich
behandelt wurden, führte es zum selben Ergebnis. Sollten beide
Lehrer in die selbe Kategorie eingeordnet werden?
- Wie haben sich Rosemarie und Moshe als Schüler in
öffentlichen Schulen unter der Nazi Herrschaft gefühlt?
4. Bezug zur aktuellen
Situation
Der Holocaust
ereignete sich vor ca. 60 Jahren, aber der Antisemitismus ist seither
nicht vergangen. Wir brauchen deswegen nicht unsere heutige Situation
in simplifizierender Weise mit dem Nazi-Deutschland der 30er Jahre zu
vergleichen. Schließlich leben Juden in Europa als gleichberechtigte
Bürger in demokratischen Staaten und ihre Bürgerrechte sind gesetzlich
verankert.
Dennoch wurden in einigen
Ländern Europas jüdische Schüler und ihre Familien in letzter Zeit
Opfer gewalttätiger antisemitischer Angriffe. Synagogen sind
niedergebrannt worden, jüdische Friedhöfe wurden geschändet und mit
Hakenkreuzen beschmiert. An Wänden in jüdischen Wohnvierteln konnte
man die Graffiti lesen: „Tod den Juden” und „Juden in die Gaskammern”.
Eine 11-jährige jüdische
Schülerin des Lycée Montaigne, einer renommierten Schule in Paris,
wurde von ihren Mitschülern mehrere Male verprügelt. Berichten zufolge
soll ihr zugeschrieen worden sein: „Wir erledigen Hitlers Job”. In
London wurde ein 14-jähriger jüdischer Schüler von einer Jugendbande
in einem Randgebiet der Stadt gestoßen, getreten und als „dreckiger
Jude” beschimpft. Die Liste dieser Vorfälle ließe sich fortsetzen.
In der Weimarer Republik sind
Juden von den Nazis mit Worten angegriffen worden. Nach der
Machtergreifung 1933 ist man von verbalen Attacken zu wirtschaftlicher
Benachteiligung, Enteignung und später Lebensbedrohung und Vernichtung
übergegangen. Es ist wichtig zu erinnern, dass die Unmenschlichkeit
des Menschen dem Menschen gegenüber nicht in Auschwitz begann, sondern
ihren Anfang in der Dämonisierung der Juden, dem Antisemitismus
hatte.
Antisemitische Aussprüche wie
„Brenne im Ofen Jude” beziehen sich auf die Krematorien, die in
Auschwitz und anderen Konzentrationslagern während der Kriegszeit
gebaut wurden. Am 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz,
erinnern wir nicht nur respektvoll der vielen Menschen, die wegen
ihrer „Rassenzugehörigkeit” in Auschwitz ermordet wurden, sondern
sagen auch dem Antisemitismus in unserer Mitte den Kampf an, der in
seinen Hetzreden den Holocaust instrumentalisiert und relativiert.
Indem wir Antisemitismus und andere Formen des Fremdenhasses an
unseren Schulen bekämpfen, leisten wir unseren Beitrag, die Erinnerung
an den Holocaust zu bewahren und verpflichten uns den Mahnungen der
Überlebenden.
Martin Niemöller, ein
evangelischer Pfarrer und Mitglied der Bekennenden Kirche, drückte es
so aus:
„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.”
Diskussionsvorschläge und
Aktivitäten
-
Was können wir von Pfarrer Niemöllers Aussage
lernen?
-
Sind dir antisemitische Vorfälle an deiner Schule
oder in deinem Ort bekannt? Wenn ja, wie ist man an offizieller
Stelle damit umgegangen?
-
Glaubst du, dass die Vergangenheit sich wiederholen
könnte? Warum? Warum nicht?
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